Herr Albrecht, mit Blick auf die Parlamentswahl in Ungarn am 12. April sprechen Beobachter:innen von einer „Schicksalswahl“. Es scheint möglich, dass der seit 2010 regierende Ministerpräsident Viktor Orbán die Wahl verliert. Teilen Sie diese Einschätzung?
York Albrecht
Ungarn ist aber nicht jedes andere Land innerhalb der EU, sondern nach Einschätzung des Europäischen Parlaments und laut Bewertungen aus der Wissenschaft eine elektorale Autokratie. Ein politisches System, das im höchsten Maße auf die Regierungspartei zugeschnitten ist. Das Wahlgesetz und die Ausgestaltung der Wahlkreise begünstigen die Regierungspartei.
Also ist der Wahlausgang trotz des vermeintlich großen Zuspruchs für einen Machtwechsel offen?
York Albrecht
Eine Niederlage für Viktor Orbán würde den Oppositionskräften in ganz Europa Aufwind geben.
York Albrecht
Politikwissenschaftler
Orbáns Herausforderer ist Péter Magyar von der Tisza-Partei („Respekt und Freiheit“), für welche Themen steht er?
York Albrecht
Was ist damals passiert?
York Albrecht
Sollte Péter Magyar tatsächlich ungarischer Ministerpräsident werden, wird es sicherlich eine gewisse Entspannung im Verhältnis zur Europäischen Union geben.
York Albrecht
Politikwissenschaftler
Inwiefern?
York Albrecht
Die prekäre wirtschaftliche Situation in Ungarn könnte also den Ausschlag geben bei dieser Wahl?
York Albrecht
Die EU attestiert Ungarn eingeschränkte Rechtsstaatlichkeit, Millionen an Fördergeldern sind deshalb eingefroren. Erfüllen der aktuelle Wahlkampf und die Wahlen aus Ihrer Sicht alle Bedingungen für freie Wahlen?
York Albrecht
Das heißt, die Wahlentscheidung war frei. In der Wahlkabine konnte jeder sein Kreuz da machen, wo er wollte, beim eigentlichen Akt des Wählens wurde niemand unter Druck gesetzt. Aber das Umfeld, in dem diese Wahlen stattfanden, war eben keines mit einem fairen Wahlkampf. Das ist heute auch so und liegt vor allem daran, dass ca. 70 Prozent der gesamten Medienlandschaft stark von Orbán kontrolliert werden. So gibt es etwa im ländlichen Raum keine unabhängige Tageszeitung mehr. Zudem schlägt seit Ende März eine Dokumentation Wellen in Ungarn, laut der Fidesz gerade im ländlichen Raum Druck auf Wähler:innen ausübt und Geld für Stimmen bei der Wahl bietet.
Über York Albrecht
York Albrecht ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Europäische Politik (iep) in Berlin und re:constitution Fellow 2025/2026 am European Policy Centre (EPC) in Brüssel. Er forscht zu den Themen Demokratie und demokratische Resilienz, Rechtsstaatlichkeit, Populismus und Illiberalismus.
Was kann die Opposition dem entgegensetzen?
York Albrecht
Wie läuft der aktuelle Wahlkampf aus ihrer Sicht?
York Albrecht
Andere Taktiken, die früher funktionierten, lässt Herausforderer Magyar aber an sich abperlen.
Was meinen Sie?
York Albrecht
Die Frage ist – um den Bogen zum Anfang zu schlagen –, ob Orbán am Ende so verzweifelt sein wird, dass es diesmal eben doch zu Wahlmanipulationen kommt. Daher ist es sehr wichtig, dass es unabhängige Wahlbeobachtungen gibt.
Sollte Magyar tatsächlich eine Mehrheit holen, was passiert dann? Wird Orbán die Wahl anerkennen?
York Albrecht
Ich gehe davon aus, dass der Spielraum von Tisza sehr gering sein wird – außer sie holen wirklich eine Zweidrittelmehrheit, aber das scheint im Moment sehr unwahrscheinlich.
Das Verhältnis zur EU ist unter Orbán katastrophal. Würde sich das mit Magyar als Ministerpräsident ändern?
York Albrecht
Inklusive der Aussicht, dass die eingefrorenen EU-Gelder freigegeben werden?
York Albrecht
Wie positioniert sich Magyar zu anderen Themen? Wie viel Reform ist von ihm zu erwarten?
York Albrecht
Sollte Europa also seine Erwartungen an diese Wahl und einen möglichen Wahlsieger Magyar herunterschrauben?
York Albrecht



